Ernst Russ AG: Differenzierter Ausblick auf die Schiffsmärkte

Containerschiff

Die Ernst Russ AG berichtet im Rahmen ihres quartalsweise erscheinenden „Investor’s Quarterly“ über die Entwicklung der Container-, Bulker- und Tankermärkte.

 

GESAMTWIRTSCHAFTLICHER AUSBLICK

Im Jahr 2016 ist die Weltwirtschaft gemäß dem Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 3,1% gewachsen. Anfang des Jahres 2016 waren noch 3,4% prognostiziert. Besonders die Industrieländer konnten mit einem starken zweiten Halbjahr überzeugen, wohingegen es in manchen Schwellen- und Entwicklungsländern zu einem unerwarteten Abkühlen der Wirtschaft kam. Für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2017 prognostiziert der IWF eine Wachstumsrate von 3,4% und für das Jahr 2018 von 3,6%. Insgesamt kann anhand des angenommenen globalen Wirtschaftswachstums von 3,4% nach Ansicht der Ernst Russ AG eine positive Grundstimmung festgehalten werden.

 

CONTAINERMARKT

Angebotsseite
Das Flottenwachstum

Per Ende März 2017 besteht die Containerschiffsflotte aus 5.099 Schiffen bzw. rund 20,2 Mio. TEU. Im Orderbuch (Umfang bestellter Schiffe) stehen zum Ende März 2017 389 Einheiten bzw. 3,08 Mio. TEU Gesamtkapazität. Dies entspricht rund 15,2% der bestehenden Flotte. Für 2017 werden Ablieferungen von rund 1,33 Mio. TEU bzw. 195 Schiffen erwartet, wobei in diesen Werten bereits die Verschiebung von Ablieferungen in Folgejahre berücksichtigt ist (voraussichtlich 23 Schiffe bzw. 160.000 TEU). Zudem werden voraussichtlich rund 750.000 TEU durch Verschrottung den Markt in 2017 verlassen, so dass insgesamt, unter Berücksichtigung der Verschrottungen, ein Wachstum von 2,9% (bzw. 593.000 TEU) in 2017 erwartet wird.

Nachfrageseite
Der Containerumschlag

Für 2017 wird ein Containerumschlagswachstum von rund 4,0% (+7,2 Mio. TEU) erwartet, wobei sich der gesamte Containerumschlag sich auf rund 187,9 Mio. TEU beläuft.

Auflieger und Verschrottung

Zum Jahreswechsel waren rund 6,9% der Gesamtflotte unbeschäftigt. Bis zum 20. März 2017 verringerte sich die so genannte Aufliegerquote auf rund 5,6%. Absolut gesehen sank die Zahl von aufliegenden Schiffen von 351 am Jahresanfang auf 279 am 20. März 2017. Für 2017 wird mit einer höheren Verschrottung gerechnet als im Vorjahr (gemessen in TEU). Die bisher in 2017 verschrotteten Schiffe hatten ein Durchschnittsalter von rund 19 Jahren. Aufgrund der hohen Eisenerz- und Stahlpreise ist mit steigenden Schrottpreisen zu rechnen, vor allem vor dem Hintergrund der rückläufigen Verschrottungen.

Zeitcharterraten

In der zweiten Märzhälfte sind die Charterraten für fast alle Größenklassen sprungartig angestiegen. Der New ConTex (Index für Zeitcharterraten) ist von Dezember 2016 bis März 2017 von 295 auf 368 Punkte angestiegen. Dies entspricht einem Anstieg von 24,7%. Im Januar und Februar 2017 lagen die Charterraten noch unter den Vorjahreswerten.

Ausblick

Durch die hohe Verschrottungsaktivität im Jahr 2016 und in den ersten Monaten des Jahres 2017 kam es zu Bewegung im Containermarkt. Der Chartermarkt hat im März für fast alle Schiffsgrößen erheblich angezogen und es wird von einem weiteren Erstarken der Raten ausgegangen. Im gleichen Zug kann von einem wiederbelebten An- und Verkaufsmarkt gesprochen werden. Schiffe werden nicht mehr nur zum Schrottpreis verkauft, sondern aufgrund der verbesserten Einnahmen der Schiffe zu herkömmlichen Preisen. Zusammenfassend kann nach Ansicht der Ernst Russ AG davon ausgegangen werden, dass der momentane Marktanstieg im An- und Verkaufsmarkt und im Chartermarkt einem tatsächlichen nachhaltigen Wachstum der Nachfrage nach Containerschiffen entspringt. Jedoch seien noch nicht alle Zweifel ausgeräumt, ob der Anstieg des Marktes nicht doch einem exogenen Schock zugrunde liegt aufgrund der Verringerung der Anzahl der großen Allianzen im Containermarkt (von vier auf drei).

 

BULKERMARKT (MASSENGUTFRACHTER)

Angebotsseite

2017 verkleinert sich das Orderbuch der Massengutfrachter weiter, von 840 bestellten Schiffen im Januar 2017 auf 806 Schiffe im Februar 2017. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Orderbuch erheblich reduziert; im Februar 2016 lag das Orderbuch bei 1.391 Schiffen. Dies entspricht einem Elf-Jahres-Tief des Orderbuchs. Das per Anfang März 2017 bestehende Orderbuch bildet rund 7% im Verhältnis zur Gesamtflotte (nach Kapazität) ab. Insgesamt gab es im März 2017 10.980 Massengutfrachter mit einer gesamten Frachtkapazität von 802,51 Mio. dwt.

Nachfrageseite

Wie bereits im Vorjahr, wird auch in 2017 von hohen Eisenimporten von China ausgegangen. Insgesamt wird eine steigende Eisenerznachfrage in 2017 von rund 5% auf 1,488 Mrd. Tonnen erwartet. Im Bereich des Kohlehandels liegt die Wachstumsprognose 2017 bei rund +1%. Auch im Kohlesektor geht man davon aus, dass hauptsächlich China zum Anstieg der Kohleimporte beitragen wird, obwohl bei weiteren aufstrebenden Ländern in Asien (z. B. Vietnam (32%) und die Philippinen (13%)) wesentlich mehr Kohleimporte erwartet werden. Nach einem Anstieg des Getreidehandels in 2015/2016 um 7%, wird für 2016/2017 ein Rückgang um rund 1% erwartet. Begründet ist dies im Wesentlichen durch den starken Rückgang der EU- und Asien-Exporte von Weizen, denen nur ein Anstieg in Südamerika entgegenstehen sollte.

Zeitcharterraten

Der Baltic Dry Index ist im März um 467 Punkte auf 1.338 Punkte gestiegen, was einem Anstieg um 53,6% im Vergleich zum Vormonat entspricht. In allen Größenklassen hat es einen erheblichen Anstieg der Charterraten gegenüber dem Vormonats- und dem Vorjahreswert gegeben. Besonders die in den ersten Monaten weiterhin starke Nachfrage nach Eisen und Kohle durch China stimmt nach Ansicht der Ernst Russ AG positiv. Durch das niedrige Flottenwachstum und die stark steigende Nachfrage nach Schüttgütern zieht der Markt derzeit deutlich an.

Ausblick

Zusammenfassend kann über den Massengutmarkt gesagt werden, dass der Markt sich momentan deutlich im Aufwind befindet. Auch das prognostizierte Flottenwachstum von nur rund 2% im Jahr 2017 bedeutet, dass die Flotte so langsam wachsen würde wie seit 1999 nicht mehr. Die Aussichten für 2017 sind nach Meinung von vielen Experten weiterhin positiv. Diese sehen gute Konditionen bis mindestens April/Mai, da eine weitere Nachfrage nach Laderaum für Getreide aus Südamerika herrscht, sowie ein stetiger Kohleverkehr in Südostasien stattfindet.

 

TANKERMARKT

Angebotsseite

Anfang März 2017 besteht die Flotte der Tanker mit einer Tragfähigkeit von über 10.000 dwt aus insgesamt 6.438 Schiffen bzw. rund 563,5 Mio. dwt. Das Orderbuch der Flotte der Tanker über 10.000 dwt umfasst derzeit 688 Schiffe mit einer Gesamtkapazität von rund 70 Mio. dwt. Die Ablieferung der Schiffe verteilt sich voraussichtlich auf 374 Einheiten im Jahr 2017, 233 im Jahr 2018 und 81 für das Jahr 2019. Im Jahr 2017 ergibt sich hieraus ein Wachstum der gesamten Flotte der Tanker über 10.000 dwt von absolut 4,9% bzw. 6,4% bezogen auf dwt.

Nachfrageseite

Für 2017 wird eine nahezu gleichbleibende Nachfrage nach Rohöl erwartet, dies rührt auf der einen Seite von den steigenden Importen Chinas und Indiens und auf der anderen Seite von sinkenden Importen der USA sowie Europas.

Zeitcharterraten

Auch Anfang des Jahres 2017 verschlechtern sich die durchschnittlichen Ein-Jahres-Charterabschlüsse der Tankschiffe. In dieser Entwicklung spiegelt sich die hohe Neubauablieferung in 2016 und Anfang 2017 bei geringer Verschrottung wider. Der Höhepunkt der Charterraten im Jahre 2015 scheint sich immer weiter zu entfernen.

Ausblick

Auch Anfang des Jahres 2017 sind die erzielbaren Charterraten in dem Tankersegment weiter gesunken. Dies wird sich aufgrund der steigenden Neubauablieferungen voraussichtlich auch im weiteren Jahresverlauf fortsetzen. Das Angebot an Tankern übersteigt die Nachfrage. Für 2017 wird mit einer um 0,8% wachsenden Nachfrage nach Öltankern und einer um 1,9% wachsenden Nachfrage nach so genannten Produktentankern gerechnet, während das Wachstum der Tankerflotte rund 4,9% betragen soll, so dass die Zeitcharterraten voraussichtlich weiter fallen werden. Hinzu kommt die von den OPEC-Staaten und weiteren Nationen vereinbarte Reduzierung der Ölfördermenge sowie die Ausweitung der Erdölproduktion in Länder, die früher klassischerweise Öl importiert haben.

 

Über die Ernst Russ AG

Logo Ernst Russ AGDie Ernst Russ AG ist 2016 aus dem Zusammenschluss der HCI Capital AG, der König & Cie. Gruppe und der Traditionsreederei Ernst Russ entstanden und ist ein börsengehandelter Asset- und Investmentmanager mit maritimem Schwerpunkt.

Die Ernst Russ AG managt nach eigener Aussage eine Flotte von rund 50 Container-, Tanker- sowie Bulkschiffen, betreut weitere 180 Fondsschiffe und verwaltet als Asset-Manager Objekte u.a. aus den Bereichen Schifffahrt, Immobilien, Erneuerbare Energien und Private Equity.

Die Unternehmen der Ernst Russ AG verwalten aktuell ein Gesamtinvestitionsvolumen von über EUR 7,5 Mrd. in mehr als 200 laufenden Fonds – vor allem in den Bereichen Schiff, Immobilien und Energie.

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