Container positiv, Massengutfrachter und Tanker weiter kritisch

Containerschiff

Die Ernst Russ AG berichtet im Rahmen ihres quartalsweise erscheinenden „Investor’s Quarterly“ über die Entwicklung der Container-, Bulker- und Tankermärkte.

Während im Segment der Containerschiffe positive Signale gesehen werden, werden die Märkte für Massengutfrachter und Tanker weiterhin als kritisch beurteilt.

 

CONTAINERMARKT

Angebotsseite

Per Ende Juni 2017 bestand die Containerschiffsflotte aus 5.119 Schiffen bzw. rund 20,4 Mio. TEU. Das Orderbuch, d.h. die derzeit bei Werften bestellten Schiffskapazitäten, umfasst 362 Einheiten bzw. 2,8 Mio. TEU Gesamtkapazität, was einem Anteil der bestehenden Flotte von rund 13,7% entspricht. Unter Berücksichtigung erwarteter Verschrottungen wird für 2017 ein Flottenwachstum von 3,7% erwartet.

Nachfrageseite

Nachdem durch den anziehenden Markt Ende März viele unbeschäftigte Schiffe aus dem Markt genommen wurden, hat sich mit dem Abkühlen der Erholung und sogar einem geringen Rückgang der Charterraten auch die Anzahl der unbeschäftigten Schiffe wieder leicht erhöht. Mitte Juni waren rund 195 Schiffe ohne Beschäftigung, was einer Aufliegerquote von rund 2,6% entspricht. Nichtsdestotrotz liegt die Zahl deutlich unter dem Stand von Anfang 2017 als 351 ohne Beschäftigung waren.

Für 2017 wird ein Containerumschlagswachstum (=Nachfragewachstum) von rund 4,8% prognostiziert. Somit erreicht das Wachstum des Containerumschlags, nach zwei schwachen Jahren, wieder deutlich höhere Wachstumswerte. Unsicherheiten bezüglich des UK-Brexit und des aufkommenden Protektionismus der USA könnten im weiteren Jahresverlauf belastend wirken.

Der ISL-Containerumschlags-Index ist im Mai um 1,8 Punkte auf 127,2 Punkte (Jahr 2010 = 100 Punkte) angestiegen und markierte damit einen neuen Höchststand. Dies weist auf eine deutliche Ausweitung des Welthandels hin.

Zeitcharterraten

Nachdem in der zweiten Märzhälfte die Charterraten sprunghaft angestiegen sind, haben sich diese eine Zeit lang seitwärts bewegt, um seit Mai wieder leicht sinkende Tendenzen auszuweisen. Der New ConTex Charterratenindex ist von seinem Hoch im Mai von rund 409 Punkten auf 388 Punkte am 22.06.2017 gefallen. Hierin kann man deutlich die seitwärts bzw. leicht fallenden Aussichten wiedererkennen.

Ausblick

Zusammengefasst kann momentan eine Seitwärtsbewegung, mit leicht schwächer werdenden Tendenzen, im Chartermarkt beobachtet werden. Jedoch lassen sich unter anderem an dem neuen Höchststand des ISL-Containerumschlag-Index positive Signale für die Zukunft ableiten. Außerdem ist die Anzahl der aufliegenden Schiffe nach wie vor relativ niedrig und somit stehen in manchen Schiffsgrößen nur wenige freie Schiffe zur Verfügung. All dies könnte zu wieder steigenden Raten Ende des Sommers führen.

 

BULKERMARKT (MASSENGUTFRACHTER)

Angebotsseite

Insgesamt gibt es im Juni 2017 11.030 Massengutfrachter mit einer gesamten Frachtkapazität von 809,6 Mio. dwt. Das Orderbuch wird weiterhin kleiner. Im Juni 2017 stand das Orderbuch auf einem 13-Jahrestief mit lediglich 654 Schiffen was einer prozentualen Steigerung von 8% entspricht.

Nachfrageseite

Es ist davon auszugehen, dass die Eisenimporte nach China einen Großteil des Wachstumspotentials des Schüttgutmarktes für 2017 ausmachen. Insgesamt wird von einer steigenden Eisenerznachfrage im Jahr 2017 von rund 6% ausgegangen.

Im Vergleich zu der Annahme aus dem ersten Quartal 2017 geht man nun von einer doppelt so hohen Steigerung des Kohlehandels aus (+3% erwartet).

Im Getreidehandel wird für 2016/2017 ein weiterer Rückgang um rund 1% (-2 Mio. Tonnen) prognostiziert – die chinesischen Getreideimporte sinken voraussichtlich um rund 13%, was ein Fünf-Jahres-Tief bedeuten würde.

Zeitcharterraten

Der Baltic Dry Index stand am 30.06.2017 bei 901 Punkten und befand sich damit immer noch über dem bisherigen Jahrestiefpunkt von 685 am 14.02.2017, jedoch unter den guten Werten von Anfang März 2017 bis Anfang Mai 2017. Dies spiegelt sich auch in den gefallenen Charterraten in allen Größenklassen wider.

Die hohen Werte aus dem ersten Quartal scheinen sich weiter zu entfernen, dies kann allerdings auf eine momentan geringere allgemeine Aktivität zurückzuführen sein. Trotzdem befinden sich die aktuellen Abschlüsse weiterhin deutlich über den durchschnittlich erzielbaren Charterraten im Vorjahr.

Ausblick

Die starke Erholung der Massengutfrachtermärkte im ersten Quartal 2017 scheint sich im zweiten Quartal ein wenig zu relativieren. Sinkende Charterraten und Verkaufspreise sowie zurückgehende Verschrottungszahlen sind negative Signale für die kommenden Monate. Besonders bei den Charterraten wird kurz- und mittelfristig eher mit einem weiteren Rückgang anstatt wieder anziehenden Raten gerechnet; dies kann aber auch eine Korrektur eines möglicherweise zu starken Anstieges im ersten Quartal sein. Allgemein ist es momentan schwierig, positive Zeichen für ein Anziehen des Marktes zu erkennen. Einzig das weiterhin sehr geringe prognostizierte Flottenwachstum von nur rund 3,2% im Jahr 2017 und ein aus jetziger Sicht hochgerechnetes Wachstum von nur rund 1% in 2018 kann als positives Signal für die Zukunft gewertet werden.

 

TANKERMARKT

Angebotsseite

Die Flotte der Tanker mit einer Tragfähigkeit von über 10.000 Tonnen (dwt) bestand Anfang Juni 2017 aus insgesamt 6.509 Schiffen bzw. rund 571,4 Mio. dwt.

Gemäß Orderbuch ergibt sich ein angenommenes Flottenwachstum für 2017 im Bereich der Rohöltanker von 13% und im Bereich der so genannten Produktentanker von 10% (gemessen in dwt).

Nachfrageseite

Trotz der erwarteten rekordnahen Ölproduktion in den USA gehen Experten im Gegensatz zur Einschätzung im März von unveränderten Ölimporten in die USA aus. Global wird für 2017 eine um rund 1,8% steigende Nachfrage nach Rohöl erwartet. Insgesamt wird für 2017 von einer Nachfragesteigerung nach Öltankern von rund 3,5% und nach Produktentankern von rund 2,5% ausgegangen (gemessen in dwt).

Zeitcharterraten

Die durchschnittlichen Ein-Jahres-Charterabschlüsse der Tankschiffe bleiben auch Mitte des Jahres auf ihrem niedrigen Niveau oder verschlechtern sich weiter. In dieser Entwicklung spiegelt sich die hohe Neubauablieferung in 2016 und Anfang 2017 bei geringer Verschrottung wider.

Ausblick

Die erzielbaren Charterraten im Tankersegment sinken weiter. Aufgrund der steigenden Neubauablieferungen wird sich das Abschwächen des Chartermarktes voraussichtlich auch im weiteren Jahresverlauf fortsetzen. Das Angebot an Tankern übersteigt die Nachfrage. Für 2017 wird mit einer um 3,5% wachsenden Nachfrage nach Öltankern und einer um 2,5% wachsenden Nachfrage nach Produktentankern gerechnet, während das Wachstum der Tankerflotte rund 12% betragen soll (auf dwt bezogen). Zudem bestehen weiterhin erhebliche Unsicherheiten im weltweiten Ölmarkt.

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